Menschen hinter dem Projekt „Brauns Quartier“

07.08.2018

Wolfgang Finck. Inhaber RST Thale GmbH, Ideengeber, Projektentwickler, Visionär.

Herr Finck, seit 1993 ist Ihr Name untrennbar mit der RST Thale GmbH verknüpft. Wie kam es, dass Sie mit Mitte 40 hier in Thale noch einmal völlig neu durchgestartet sind?

W. Finck: Für mich stand von Kindesbeinen an fest, dass ich einen Beruf in der Baubranche ergreifen möchte. Nach meinem abgeschlossenem Bauingenieur- und Betriebswirtschaftsstudium an der TU Berlin stieg ich beim Mannheimer Baukonzern "Bilfinger Berger" ein. Dort habe ich viele Jahre gearbeitet und viel gelernt. 

Vielleicht hätte ich es bei Bilfinger Berger bis zum Ruhestand einfacher gehabt,  aber der Wunsch, mich eines Tages in der Baubranche selbstständig zu machen, hat mich nie verlassen.

Die Chance dazu bekam ich nach der Wende! Der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Herr Ernst Albrecht, suchte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Eisenhüttenwerke Thale (EHW) neue Ideen, diese traditionsreichen Industriestandorte der neuen Situation anzupassen. Besonderer Augenmerk wurde auf den verantwortungsvollen Umgang mit den Arbeitsplätzen der damals fast 7000 Beschäftigten gelegt. Das war eine gewaltige Herausforderung. Ich wurde aufgefordert ein Konzept zu erstellen, mit dem Ziel, eine Firma zu gründen und Arbeitsplätze zu schaffen.

7000 Arbeitsplätze konnten auch Sie nicht retten, was ging damals in Ihnen vor?

W. Finck: Die Situation in Thale hat mich damals nachhaltig bewegt. Der Verlust vieler Arbeitsplätze war mir ganz und gar nicht einerlei. Als Unternehmer und Mensch sehen Sie den Arbeitern und Angestellten ins Gesicht und wissen, dass da ganze Familienschicksale dahinter stehen. Irgendwie musste ich anfangen! So entwickelte ich das Konzept der RST Thale GmbH. 

Was verbirgt sich hinter RST? Und wie hat es begonnen?

W. Finck: RST steht für Recycling und Sanierung Thale GmbH.
Begonnen haben wir mit der Altlastensanierung, d.h. waschen kontaminierter Böden. Dafür konnten wir die im EHW vorhandene Bodenwaschanlage nutzen. Diese befand sich seit 1990 im Besitz der Gesellschaft für Arbeitsförderung Thale mbH (kurz: GFA). Später wurde Sie dann von uns übernommen.

Was kann man sich unter einer Bodenwaschanlage vorstellen?

W. Finck: In der Bodenwaschanlage werden belastete Böden mit Hochdruck gereinigt. Die Schadstoffe, welche an der Bodenkrume angedockt sind, werden auf physikalischem Wege von der Krume abgespalten und gesondert entsorgt. Dafür gab und gibt es einen großen Bedarf, und wir sind weiträumig die einzigen, die das auf dieser physikalischen Weise ohne Lösungsmittel können.

Die RST Thale GmbH hat heute noch einige andere Geschäftsbereiche, wie ging es weiter?

W. Finck: 1998 übernahm ich die Firma, wurde also Eigentümer. Seitdem ist sie in Familienbesitz. Von da an bauten wir verschiedene Geschäftsfelder auf und aus. Anfangs haben wir alle möglichen Aufträge angenommen, vom reinigen der Klärgruben, über Sanitär- und Heizungsinstallationsarbeiten, bis hin zum Rasen mähen und Hecken schneiden.

Das Ziel war immer, weitere Arbeitsplätze zu schaffen. 

Ich sehe noch die Stahlarbeiter der Eisenhüttenwerke mit dem Rasenmäher die Grünflächen kurzhalten. Viele von ihnen hatten einen eigenen Garten und wussten, wie man Grünes und Blühendes pflegt – im Gegensatz zu mir. Daraus entstand eine eigene Fachabteilung GaLaBau. Wir haben vieles unternommen und versucht, aber letztlich haben sich 3 Hauptsäulen etabliert, die das stabile Fundament der heutigen RST Thale GmbH bilden. Heute beschäftigen wir 130 Mitarbeiter.

Welche 3 Säulen sind das?

W. Finck: Die Altlastensanierung ist nach wie vor fester Bestandteil unseres Firmen-Portfolios. Im Gegensatz zur Anfangszeit sind wir aber viel umfassender in die Projekte involviert und mit eigenem, schwerem Gerät vor Ort, um Böden auszuheben, abzutransportieren und wieder aufzufüllen. Umfang und Komplexität der Projekte haben mit den Jahren erheblich zugenommen.
Zum Zweiten sind wir mit unserer Tochterfirma RST Ingenieurbau GmbH nun nicht mehr nur in der Entsorgung, sondern auch im Bau-Bereich aktiv. Möglich wurde dies, als Klaus-Dieter Zieme zu uns stieß und die technische Geschäftsleitung übernahm. Seither gehören Tiefbau, Brückenbau und Industriebau zum festen Repertoire der RST Thale GmbH. Und zum Dritten konnten wir auch den GaLaBau zu einer eigenen Tochterfirma umgestalten.

Ergeben sich aus den 3 Säulen Synergie-Effekte?

W. Finck: Ja, in jeder Hinsicht. Unser derzeit größtes Vorhaben, das Wohnbauprojekt "Brauns Quartier" in Quedlinburg, ist eine Synthese dieser drei Hauptsäulen der Firma.

Erzählen Sie uns, wie kam es dazu?

W. Finck: Das Fabrikgelände der ehemaligen VEB Farbchemie im Harzweg 12 war ein wenig geliebtes Kind der Stadt Quedlinburg. Ein Schandfleck, eine Fabrik-Ruine mit unkalkulierbaren Altlasten. Hier lauerte die Gefahr von Schadstoffen in Böden, Abbruchmaterial und möglicherweise auch im Grundwasser. Hinzu kam, dass auch der Denkmalschutz involviert war. Ein heißes Eisen also, das niemand gerne anfassen wollte.
Das war der Punkt, an dem das Know-How der RST Thale GmbH ins Spiel kam. Es folgten unzählige Gespräche mit Sachverständigen und Vertretern der Stadt. Schließlich entschlossen wir uns,
das 13.000 Quadratmeter große Gelände zu kaufen und von sämtlichen Altlasten zu befreien. Gleichzeitig stand die drängende Frage im Raum, wie man diesen Standort entwickeln könnte. Ideen wurden geboren und wieder verworfen. In diesem Prozess steuerten auch die Architektin Mandy Schmidt von „bauwerk ARCHITEKTEN Quedlinburg“, die Immobilienexpertin Cathérine Wegener von „fachwerk DIE WOHNAGENTUR“ und das Hamburger Architekturbüro „Hs architekten“ von Holger Schmidt entscheidende Impulse für die Neugestaltung des Geländes bei.
Schließlich kristallisierte sich der Wunsch heraus, hier ein attraktives innerstädtisches Wohngebiet entstehen zu lassen. Damit stießen wir bei der Stadt auf offenen Ohren. Es sind etwa 70 Wohnungen geplant. Für eine Stadt mit knapper Baufläche. Im Innenstadtbereich ist das erheblich. Brauns Quartier war geboren, eine Reminiszenz an Wilhelm Brauns - den ursprünglichen Firmeninhaber - die von ihm gegründeten Farbfabriken, aus der später der VEB Farbchemie hervorging. 

Wer übernahm die Bauträgerschaft für dieses Projekt?

W. Finck: Dafür haben wir die „Brauns Quartier GmbH“ als Tochterfirma der RST Thale GmbH gegründet, um die Funktion als Investor und Bauträger zu übernehmen. Das klingt jetzt alles so spielend einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Brauns Quartier ist für uns eine Riesenaufgabe. 18 Millionen € werden hier investiert. Eine Summe die wir benötigen, um unsere Vision, die erfolgreiche Umsetzung von Brauns Quartier zu garantieren.

Wie sieht diese Vision aus?

W. Finck: In ruhigen Minuten kann ich das an die Flusslandschaft der Bode angrenzende Quartier vor meinem geistigen Auge sehen. Harmonisch in seiner Gestaltung, Aufteilung und Bauhöhe. Menschen jeden Alters fühlen sich hier wohl. Von Familien mit Kindern, die in der verkehrsberuhigten Zone spielen bis hin zu älteren Menschen, die sich über die kurzen fußläufigen Wege zu allen Versorgungseinrichtungen zur Innenstadt freuen.

In ca. 5 Jahren, wenn alle Bauabschnitte fertiggestellt sind, kann diese Vision Wirklichkeit sein.

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